Argumente für Veganer: “Löwen fressen auch Fleisch.”

von Dominik Müller
Vegan-Argument: "Löwen fressen auch Fleisch" Beitragsbild

Ein sehr beliebtes Argument unter menschlichen Fleischessern ist: “Löwen essen auch Fleisch. Wieso darf ich das dann nicht?”. Der verzweifelte Appell an die Sache der Natur ist auch in diesem Fall leider wieder kein wirkliches Argument, sondern ein logischer Fehlschluss.

Löwen fressen Fleisch, weil sie obligatorische Karnivoren sind. Sie müssen Fleisch fressen, um zu überleben. Menschen hingegen müssen das nicht.

Mit dieser Antwort ist eigentlich schon das meiste gesagt. Was genau aber dahinter steckt, was uns von Löwen unterscheidet und warum man seine Argumentationskette auf keinen Fall auf dem Verhalten von Löwen aufbauen sollte, das erzählen wir dir in diesem Beitrag.

Der Löwe ist ein Fleischfresser – der Mensch nicht

Löwen sind obligatorische Fleischfresser, das bedeutet sie müssen Fleisch fressen, um zu überleben. Bei Menschen sieht das anders aus. Während wir Menschen zwar auch in unserer Vergangenheit Fleisch gegessen haben und das aus evolutionärer Sicht durchaus große Vorteile hatte, müssen und sollten wir das heute nicht mehr tun. Was früher dem Überleben diente, ist heute nur noch eine Frage von Gier und “Luxus”. Zudem schadet der Konsum tierischer Produkte unserer Gesundheit, der Umwelt, unseren Mitmenschen und nicht zuletzt den Tieren.

Zuerst kam das Hirn, dann das Fleisch

Eine häufige Argumentation ist, wir Menschen seien nur durch den Konsum von Fleisch so leistungsstark geworden und konnten erst durch Fleisch zu dem werden, was wir heute sind. Unser Gehirn habe sich erst durch Fleisch und den damit einhergehenden Energieüberschuss entwickeln können. Das stimmt aber nicht.

Tatsächlich gewannen wir unseren Energieüberschuss aus Obst und Gemüse, aus Pflanzen also. Wenn man sich überlegt, dass wir Menschen von der Natur mit keinerlei Waffen wie Krallen oder Scharfen zähnen ausgestattet wurden, dann wird schnell klar, dass wir keine natürlichen Jäger sind. Was viel wichtiger war, so die aktuelle Forschung, war die Entdeckung des Feuers. So konnten wir viel mehr Kalorien brauchbar und genießbar machen und die Bioverfügbarkeit mancher Lebensmittel steigern. Durch die vielen zusätzlichen Kalorien durch Obst und Gemüse konnte sich unser Hirn weiterentwickeln, wir erlangten die Fähigkeit clevere Waffen zu entwickeln und systematisch in Gruppen zu jagen. Erst so, konnten wir Tiere jagen.

Ein weiteres und starkes Indiz dafür, dass wir menschen eben keine Fleischfresser sind, ist die Tatsache, dass wir die Fähigkeit verloren körpereigenes Vitamin C zu produzieren. Das bedeute an irgendeinem Zeitpunkt unserer Entwicklung, muss über einen langen Zeitraum so viel Obst vorhanden gewesen sein, dass die Evolution diese Fähigkeit vernachlässigen konnte. Demnach haben Menschen schon immer viele Früchte gegessen. Sogar so viel, dass eine einst überlebenswichtige Fähigkeit des Körpers überflüssig wurde.

Nochmal: In einer Zeit, in der Lebensmittel nicht in überfüllten Supermarktregalen lagerten, war es wichtig auf eine dichte Energiequelle wie etwa Fleisch zurückgreifen zu können. Da wir heute aber nicht mehr auf “Notfall-Energiequellen” angewiesen sind und wann immer wir wollen in den Supermarkt spazieren können um unsere Taschen mit pflanzlichen, hochwertigen und vollwertigen Lebensmitteln füllen können, hat Fleisch in unserer Gesellschaft seinen Platz verloren.

Was unterscheidet den Menschen physiologisch vom Löwen?

Brüllender Löwe, Reißzähne, Nahaufnahme

Jedes Tier ist durch die Evolution bestmöglich auf die jeweiligen Lebensumstände angepasst. Karnivore (Fleischfresser) haben Waffen, um Beute zu erlegen bzw. zerlegen. Pflanzenfresser haben keine Waffen aber dafür ein Flaches Gebiss um Pflanzen mahlen zu können.

Der Unterschied vom Menschen zum Löwen schlägt sich auf viele wesentliche Faktoren nieder. Die wichtigsten beiden Faktoren sind aber die Verdauung, sowie unser Gebiss.

Verdauung

Die Verdauungstrakte von Mensch und Löwe, bzw. Pflanzenfresser und Fleischfresser im Allgemeinen, unterscheiden sich stark voneinander. Damit Fleisch effizient und effektiv verdaut werden kann, ist ein sehr hoher Säuregehalt im Magen eine notwendige Voraussetzung. Löwen haben das, Menschen nicht.

Ebenso spielt die Darmlänge zur Verdauung eine große Rolle. Bei Fleischfressern, also beim Löwen, liegt das Verhältnis von Körpergröße zu Darmlänge bei etwa 4:1, was recht kurz ist. Beim Menschen liegt dieses Verhältnis bei ca. 6:1, was uns als optimierte und natürliche Fleischfresser ausschließt. Durch einen längeren Darm können aus schwerer verdaulichen Pflanzen wesentlich mehr Inhaltsstoffe herausgefiltert werden. Der Mensch kann das, der Löwe nicht.

Essen ist ein Gesamtpaket. Während Fleisch zwar Nährstoffe beinhaltet, die per se als gesund betrachtet werden können, enthält Fleisch aber auch eine ganz Reihe an Nährstoffen, die für die Menschen ungesund sind. Aus diesem Grund leiden Menschen bei hohem Fleischkonsum auch sehr häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil unser Verdauungstrakt einfach nicht für einen regelmäßigen und hohen Fleischkonsum ausgelegt ist. Löwen wiederum müssen sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen keine Sorgen machen. Gleiches gilt für das erhöhte Darmkrebsrisiko, das belegbar auf den Konsum von verarbeitetem Fleisch zurückzuführen ist.

Reißzähne

Wer glaubt unsere Eckzähne seien ehemalige Reißzähne, der/die irrt sich. Die Eckzähne des Menschen dienen dem Zweck Stücke aus harten Früchten oder hartem Gemüse herauszubrechen. Sie dienen nicht etwa dem Zweck ein Tier zu erlegen geschweige denn es mit unserem bloßen Kiefer zu zerlegen.

Unsere Artverwandten, die Gorillas, sind allerdings mit beeindruckenden Eckzähnen ausgestattet. Heißt das Gorillas stammen von Fleischfressern ab und wir damit indirekt auch?

Nein, das heißt es nicht. Die massiven Eckzähne der Gorillas sind Bestandteil ihrer Drohgebärde. Um die eigene Familie zu verteidigen, um Nahrung zu erkämpfen oder ähnliches fletschen Gorillas mit ihren Zähnen. Im Falle eines Kampfes kommen diese dann manchmal auch zum Einsatz. Demnach dienen die großen Eckzähne der Gorillas der Verteidigung oder dem Kampf, allerdings ganz sicher nicht der Jagd.

Logischer Fehlschluss – Was der Löwe darf, das darf ich auch

Die Essenz des Arguments “Löwen fressen auch Fleisch” ist: Wenn der Löwe das macht und darf, dann darf ich das auch. Löwen fressen aber auch die Nachkommen eines anderen Rudels. Heißt das, wir sollten das dann auch tun, weil es Löwen machen? Natürlich nicht!

Wer in der eigenen Argumentation konsistent bleiben will, der/die darf sich nicht nur auf bestimmte Teile des Löwenverhaltens berufen, sondern muss diese Logik auch auf alle anderen Verhaltensmuster übertragen können, ansonsten spricht man von Heuchelei oder Doppelmoral. Deshalb scheidet dieses Argument im Bezug auf den Veganismus auch direkt aus.

Wir haben ein Verständnis für Moral, Löwen nicht

Wenn wir gerade beim Thema Moral sind.

Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden

So der Duden: https://www.duden.de/rechtschreibung/Moral

Nicht jedes Tier hat einen moralischen Kompass und kann entscheiden welches Verhalten richtig und welches falsch ist. Nicht jedes Tier hat die Gabe des Menschen, nämlich nachdenken zu können und zu überlegen: “Wenn ich das tue, was passiert dann danach?”.

Aus diesem Grund sehen wir es als moralisch an genau das zu tun, was der Gesamtheit der Gesellschaft hilft. Wir machen das bereits unter uns Menschen. VeganerInnen möchten einfach nur, dass auch die grundlegendsten Moralvorstellungen auf die Tierwelt übertragen und Tieren die aller grundlegendsten Rechte zugesprochen werden. Nämlich das Recht auf Unversehrtheit und Leben.

Während Menschen aber solch einen moralischen Kompass haben und eben ganz gezielt entscheiden können etwas zu tun, das moralisch korrekt ist oder aber auch etwas zu tun, was moralisch verwerflich ist, können Löwen genau das nicht. Löwen können nicht entscheiden was richtig oder was falsch ist, sie versuchen einfach nur zu überleben. Und genau das ist der Punkt. Löwen töten andere Tiere um zu überleben. Das Fressen von Fleisch ist für Löwen im wahrsten Sinne des Wortes überlebensnotwendig. Für Menschen ist es das nicht, ganz im Gegenteil. Fleisch ist für den Menschen sogar schädlich.

Dadurch, dass Löwen Fleisch fressen müssen, damit sie überleben, ist die Frage der Moral ohnehin außen vor. Denn ein Tier zu töten, um das eigene Überleben und das der eigenen Familie zu sichern, ist in unseren Augen eine verdammt gute Rechtfertigung! Ein Tier zu töten, es auszubeuten und zu quälen, weil es gut schmeckt ist wiederum ein niederträchtiger und verabscheuungswürdiger Rechtfertigungsversuch.

Wir können mit unserem Geld an der Kasse selbst entscheiden, ob wir uns aktiv für Tierleid einsetzen und sogar dafür bezahlen oder ob wir uns gegen Tierleid aussprechen und das moralisch Richtige tun. Du entscheidest.

Fazit

Der Löwe tut, was er tun muss, um zu überleben. Wir Menschen tun, was wir wollen. Da wir heutzutage nicht mehr auf den Konsum tierischer Produkte angewiesen sind und einfach in den nächsten Supermarkt spazieren und uns mit vollwertigen, pflanzlichen Lebensmitteln eindecken können, gibt es keine Rechtfertigung Tieren solch unsagbares Leid wie in der (Massen-)Tierhaltung zuzufügen.

Auch wenn wir in unserer Vergangenheit Fleisch gegessen haben, sind wir dadurch nicht zu Karnivoren geworden. Nur weil wir prinzipiell Fleisch essen können (auch wenn es sehr ungesund ist), heißt das noch lange nicht, dass wir es auch müssen. Heute gibt es viel bessere, gesündere und vor allem leidfreie Alternativen zum Fleisch. Wieso also dieses Leid wissentlich und willentlich fortsetzen?

Zudem sei gesagt, dass nicht das Fleisch unsere Spezies zu dem gemacht hat, was sie heute ist, sondern die Entdeckung des Feuers. Durch das Kochen unserer Lebensmittel konnten wir mehr Kalorien einfach und effizienter verdauen und zudem Lebensmittel genießbar machen, welche im rohen Zustand ungenießbar waren.

Es wäre falsch zu sagen Fleisch hätte in der Entwicklung des Menschen keine Rolle gespielt. Jedoch ist die Zeit, in der Fleisch ein wichtiger Bestandteil im Leben des Menschen war, längst vorbei. Wir leben aber nicht in der Vergangenheit, sondern im Hier und Jetzt. Und das Hier und Jetzt bietet uns die Möglichkeit unseren Alltag ressourcenschonender, gesünder und vor allem leidfrei zu bewältigen. Das hilft nicht nur uns selbst, den Mitmenschen und der Umwelt, sondern insbesondere den Tieren.

Wer heute nicht vegan lebt, der/die lebt nicht gemäß des eigenen moralischen Standards. Vegan zu leben bedeutet nämlich einfach nur die eigenen Taten mit den eigenen Moralvorstellungen in Einklang zu bringen.

Wir hoffen dieser Beitrag konnte dich in deinem Hintergrundwissen zum Argument “Löwen fressen auch Fleisch” etwas stärken und dir ein paar spannende und interessante Informationen mit auf den Weg geben. Lass uns gerne ein paar Kommentare und/oder konstruktive Kritik da! Wir sind für jede Diskussion offen.

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