Argumente für Veganer: “Fleisch schmeckt einfach gut”

von Dominik Müller
Vegan-Argument, Gegenargument "Fleisch schmeckt gut"

Das Argument, welches man als Veganer*in wohl am öftesten hört ist: “Aber Fleisch schmeckt einfach gut.” Du fragst dich eventuell wie du am besten auf dieses vermeintliche Argument reagieren kannst, dann haben wir hier die Kurzfassung für dich:

Geschmack ist keine Rechtfertigung für eine grausame Tat. Mit dem Geschmacks-Argument wird versucht eine schlimme und unmoralische Tat mit sensorischer bzw. persönlicher Befriedigung zu rechtfertigen. Stell dir vor ein Mörder würde sagen er könne nicht aufhören zu morden, denn es mache einfach zu viel Spaß. Das ist die gleiche Logik in einem anderen Kontext.

Warum dieses Argument keinen Sinn ergibt und warum wir dieses in keinem einzigen anderen Kontext verwenden würden, das erklären wir dir hier in diesem Beitrag.

Die meisten Veganer*innen wissen wie Fleisch schmeckt

Was viele Menschen in einer Diskussion über Veganismus vergessen ist, dass die meisten Veganer*innen nicht schon immer vegan sind. Die Wenigsten wachsen rein pflanzlich auf und wissen daher zwangsläufig wie Fleisch schmeckt und natürlich auch, dass Fleisch durchaus lecker schmecken kann.

Nicht nur Fleisch, auch Käse, Eier und Milch gehörten bei vielen Veganer*innen auf den täglichen Speiseplan. Was man als Veganer*in aber verstanden hat ist, dass der Geschmack keine Rechtfertigung sein kann, um einem unschuldigen, fühlenden und denkenden Lebewesen die Kehle aufzuschlitzen und das Fleisch von den Knochen zu reißen.

Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass Veganer*innen selbst eine lange Zeit ihres Lebens dachten Geschmack sei eine Rechtfertigung. Und falls sie es nicht explizit dachten, dann haben sie jedenfalls so gehandelt. Wir wissen, es ist leicht innerlich die Augen zu verdrehen oder sauer zu werden, wenn man so ein Argument hört. Versuche aber deinem Gegenüber ein gewisses Verständnis entgegenzubringen und zu erläutern, weshalb die Logik in diesem Fall eine große Lücke hat.

Der Logik-Fehler

Ganz besonders bei diesem Argument hakt es deutlich an der Logik. Was während der Argumentation gegen Veganismus zunächst vollkommen logisch erscheint, verläuft sich dann schnell in einer Sackgasse und wird gerne mit “das ist etwas völlig anderes” oder einem antwortlosen Übergang zum nächsten “Argument” abgetan.

Aber das ist gut! Denn je öfter nicht-Veganer*innen merken, dass die Sache mit dem Karnismus hier und da (damit meinen wir überall) ein paar Ungereimtheiten aufweist, desto eher merken sie, dass der Veganismus irgendwie doch einige valide Punkte hat. Naja, kommen wir jetzt zum eigentlichen Logikfehler.

Sensorische bzw. persönliche Befriedigung ist keine Rechtfertigung

Damit wir in unserer Argumentation und unseren Moralvorstellungen konsistent bleiben können, müssen wir eine bestimmte Logik auch auf andere Situationen und in unterschiedlichen Kontexten anwenden können. Ansonsten neigen wir zu unsinnigen Ausreden, damit die Logik weiter bestehen bleiben kann.

Beim Geschmacks-Argument ist diese Logik die Rechtfertigung einer unmoralischen Tat durch sensorische oder persönliche Befriedigung, also in diesem Fall den Geschmack. Darunter fallen aber noch wesentlich mehr Sinneseindrücke und Emotionen, als nur der Geschmack.

“Ich kann nicht aufhören Fleisch zu essen, weil es einfach zu gut schmeckt.” Versuchen wir einmal die Logik des Geschmack-Arguments auf einen anderen, schrecklichen Kontext zu übertragen – nämlich Mord. Stell dir vor ein Mörder würde vor einem Richter sagen er könne einfach nicht aufhören zu morden, denn es mache einfach zu viel Spaß. Was denkst du würde der Richter sagen?

Wichtig ist hier zu betonen, dass es sich in beiden Fällen um die exakt gleiche Logik handelt. Es ist der Versuch eine schreckliche und unmoralische Tat durch sensorische Befriedigung zu rechtfertigen. Man merkt schnell wie undurchdacht und lückenhaft diese Argumentation ist.

Wenn du mit den Tieren sprechen könntest, die für dein Essen sterben, was würdest du ihnen sagen?

In den meisten Fällen hören wir “Ich kann aber nicht mit Tieren sprechen” und ja, wir wissen das. Aber stell dir mal vor du könntest es. Was würdest du dann zu ihnen sagen? Wie würdest du ihnen erklären, warum dein Geschmack mehr Wert ist als ihr Leben?

Wenn du diese Fragen in einer Veganismus-Debatte stellst, dann werden dich die Antworten verblüffen. In den meisten Fällen bekommst du nämlich keine, weil der Frage ausgewichen wird. Punkt für dich. Also stellen wir uns nun wirklich vor wir könnten mit dem Schwein sprechen und ihm erklären, weshalb wir ihn oder sie jede Sekunde umbringen werden. Würdest du so etwas sagen wie:

  • Klar, für mich sind es 5min Geschmack, für dich das ganze Leben. Aber du musst doch verstehen, dein Fleisch schmeckt einfach so gut.
  • Dein Fleisch ist zwar schädlich für mich und ich sollte es daher ohnehin nicht essen aber es schmeckt einfach zu gut. Obendrein musst du dafür dein Leben lassen aber ich bin sicher du kannst das verstehen.
  • Weißt du: Weil dein Fleisch so gut schmeckt müssen wir dich das ganze Leben in einer engen Boxen halten, in der du dich nicht einmal umdrehen kannst, nie Tageslicht siehst außer auf dem Weg zum Schlachthof, in deiner eigenen Scheiße schlafen musst, deinen eigenen Nachwuchs zerquetschst weil du dich nicht bewegen kannst und außerdem müssen wir dich mit Reserveantibiotika vollstopfen, weil du dich ansonsten preislich einfach nicht lohnst und uns zu früh wegstirbst. Aber eins kann ich dir sagen: Wenn du wüsstest wie gut dein Fleisch schmeckt, dann würdest du das ganz sicher verstehen.

Ekelhaft, widerlich, abstoßend, unmenschlich. Das sind die Gedanken und Emotionen die einem bei dieser Vorstellung durch den Kopf gehen sollten. Wie absurd und widerwertig diese Industrie ist, ist ganz einfach unfassbar.

Erfahrungsgemäß regen diese Fragen zum Nachdenken an, wenn auch vielleicht nicht unmittelbar. Trotzdem haben wir den Eindruck, dass diese Fragen und dabei entstandenen Emotionen nicht in 5min wieder vergessen werden, sondern vielleicht auch nach der Debatte noch eine kleine Weile bestehen bleiben. Wenn Informationen und Denkanstöße durch ein Gespräch über das Gespräch hinaus im Kopf erhalten bleiben, dann ist das ein guter Schritt in die richtige Richtung. So denken nicht-Veganer*innen auch in weiteren Alltagssituationen etwas mehr darüber nach, was eigentlich hinter einem tierischen “Produkt” steckt, wie es hergestellt wird, welches Leid es für das Tier bedeutet und vor allem wie sinnlos und unnötig das Ganze ist.

Denke immer daran, dass auch du (vermutlich) die meiste Zeit deines Lebens Fleisch gegessen hast

Vermutlich gehörst auch du zu den Veganer*innen, die nicht vegan und rein pflanzlich erzogen wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hast auch du erst nach einer gewissen Zeit den veganen Lebensstil für dich entdeckt. Du solltest bei einer Argumentation mit deinem Gegenüber nicht vergessen, dass du (vermutlich) die längste Zeit deines Lebens selbst nicht vegan warst. Du solltest aber auch nicht vergessen, dass du es letztendlich doch zum veganen Lebensstil geschafft und damit so viel Tierleid wie möglich aus deinem Leben gestrichen hast. Das kannst nicht nur du, das können andere auch.

Es ist ein schmaler Grad zwischen “sei nett zu deinem Gegenüber in einer Veganismus-Diskussion” und “dein Gegenüber darf ruhig wissen, dass er/sie direkt für Tierleid verantwortlich ist und dieses durch den Kauf tierischer Produkte aktiv unterstützt”.

Im Großen und Ganzen gilt es aber nicht um den heißen Brei zu reden sondern klarzustellen wie die industrielle Massentierhaltung tickt, wie sie funktioniert und auch wie grauenhaft sie ist. Wer dabei zwar kritisch und sachlich aber nicht beleidigend ist, der/die macht sich auch für sein Gegenüber unabhängig vom Thema Veganismus nicht angreifbar.

Wir hoffen, wir konnten dir hiermit einen tieferen Einblick in das typische Geschmacksargument von nicht-Veganern geben und dir nochmal im Detail erklären, warum diese Argumentationskette einfach keinen Sinn ergibt. Du wusstest das zwar bestimmt ohnehin bereits, dennoch hat es dein Grundverständnis und deine Gegen-Argumentation für die nächste Veganismus-Debatte eventuell etwas gestärkt.

Bis dann, viele Grüße!

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