Warum vegan leben?

von Dominik Müller
Braunes Kalb auf grünem Gras

Wer vegan lebt, der bewirkt. Die rein pflanzliche Ernährungsweise schützt die Umwelt, das Klima, die Menschen, die eigene Gesundheit und natürlich nicht zuletzt das Leben der Tiere. Wir leben vegan, weil es die leichteste und mit riesigem Abstand effektivste Methode ist unglaublich vielen Problemen auf unserem Planeten am einfachsten, am meisten und gleichzeitig entgegenzuwirken.

Veganismus ist ein viel zu großes Thema, um es in einem kurzen Blogartikel auch nur annähernd zusammenzutragen, jedoch weckt dieser Post bei dem/der ein oder anderen vielleicht die Neugier, um noch mehr über Veganismus erfahren zu wollen.

Ethik und Veganismus

Ist die Art und Weise, wie wir mit Tieren umgehen, in Ordnung? Müssen wir tierische Produkte konsumieren, um zu überleben?

Fast jeder kennt die Antworten auf diese Fragen und unser moralischer Kompass liefert auch bereits intuitiv die Antwort auf die Frage der Moral beim Konsum tierischer Produkte. Dazu zählen aber nicht nur tierische Lebensmittel, sondern ebenso Güter wie Pelz, Wolle, Daunen und Leder. Nicht zu vergessen sind die Auswirkungen, die einige Kosmetikartikel auf Tiere haben, welche sich in Form von Tierversuchen äußern.

Ein Tier töten, weil Pelz “gut” aussieht? Ein Tier töten, weil Leder in unseren Köpfen ein “Luxusgut” ist? Ein Tier töten, weil Wolle warm hält? Ein Tier töten, weil Daunen kuschlig sind? Ein Tier ein furchtbares Leben voller Gewalt, Ausbeutung und Qual erleiden lassen und es am Ende grausam hinrichten, weil es gut schmeckt?

Ein Beispiel aus der Milchindustrie

Einigen Menschen (inklusive mir), ist mir zum Beispiel nicht klar, dass Kühe nicht einfach so Milch geben, sondern nur dann (wie jedes Säugetier), wenn sie Nachwuchs bekommen. Im Prinzip weiß man das natürlich aber man macht es sich lange nicht bewusst, was das eigentlich bedeutet. Das bedeutet, dass eine Kuh künstlich und oft gewaltvoll geschwängert wird. Dieses Kalb, zu dem die Mutter (ebenso wie jeder Mensch) eine tiefe, emotionale Bindung hat, wird in den ersten 24h von der Mutter getrennt und in einem sog. Kälberiglu untergebracht, wo dessen Hornansätze entweder mit Ätznatron oder einem heißen Eisen ausgebrannt werden. ​[1]​ Das Kalb leidet, die Mutter leidet. Eines Tages wird das Kalb selbst zur Mutter und der Kreislauf beginnt von vorn: Schwängern, gebären, Neugeborenes entreißen, melken, schwängern, gebären, Neugeborenes entreißen, melken, …, Schlachtung.

Allein für die Milchindustrie sind die oben genannten Gründe aber nur die Spitze des Eisbergs. Außer Acht gelassen wurden hier die Aspekte der Umwelt, des Klimas, der eigenen Gesundheit und auch der Gesundheit der Mitmenschen.

  • Umwelt: Platzverschwendung und Rodung der Regenwälder durch Anbau von Tierfutter. ​[2]​
  • Klima: Ausstoß von CO2 und Methan durch “Nutz”-Tiere (“Nutztiere”, ein menschengemachter Begriff) ​[3]​
  • Eigene Gesundheit: Verarbeitetes Fleisch, ein Karzinogen der Gruppe 1, das bedeutet nicht nur vielleicht oder wahrscheinlich, sondern ganz sicher krebserregend. Plutonium, Asbest sowie Röntgenstrahlung befinden sich in der selben Gruppe. ​[4]​
  • Gesundheit der Mitmenschen: Reserveantibiotika werden in der Massentierhaltung eingesetzt, weil schwächere Antibiotika ihre Wirkung gegen multiresistente Keime verlieren. Das sind diejenigen Antibiotika, die in der Humanmedizin genutzt werden sollen, wenn alle anderen Antibiotika nicht mehr wirken. Der letzte Joker sozusagen. ​[5]​

Vegan leben durch Bewusstsein

In der Regel ist uns Menschen nicht bewusst, was es für die Umwelt, das Klima, die eigene Gesundheit und das Tier bedeutet, ein tierisches Produkt zu konsumieren. Niemand ist ein schlechter Mensch, weil er oder sie tierische Produkte konsumiert. Genauso möchte niemand aktiv Tierleid unterstützen. Wir als Konsumenten werden durch die Industrie vom Herstellungsprozess so weit wie nur möglich ferngehalten und das natürlich aus gutem Grund. Wer würde diese Produkte kaufen, wenn er oder sie alles über die Herstellung dieser und deren Konsequenzen wüsste? Denn wenn man einmal alle Informationen hat, dann gibt es keinen Grund mehr nicht vegan zu leben.

Man stelle sich vor es gäbe einen ähnlichen Ansatz wie in der Tabakindustrie, sodass Fleischhersteller beispielsweise verpflichtet wären Bilder von Schweinen, die in Schlachthäusern um ihr Leben schreien oder kopfüber an einem Haken hängen während ihnen die Kehle durchgeschnitten wird, auf die Packung zu drucken. Es ist etwas ganz anderes, wenn man die Angst in den Augen eines unschuldigen, fühlenden Lebewesens sieht, das jede Sekunde hingerichtet wird, als wenn man nur ein Stück verpacktes Fleisch sieht, auf dem ein glückliches Schwein abgebildet ist.

Häufige Rechtfertigungen

Auf alle Fragen gibt es immer eine vermeintlich rechtfertigende Antwort:

  1. “Ich kaufe mein Fleisch nur beim Metzger um die Ecke und nur Bio.”
  2. “Das Melken einer Kuh tut der Kuh ja nicht weh.”
  3. “Eierlegen tut den Hühnern nicht weh.
  4. “Ich hab höchstens eine Mütze mit Pelz”
  5. “Schafe müssen geschoren werden, sonst sterben sie ohnehin wegen der Hitze.”
  6. “Daunen halten viel wärmer als alles andere und außerdem sterben dabei keine Tiere.”
  7. “Leder ist nur ein Nebenprodukt von Tieren, die sowieso für das Fleisch getötet werden, also kann man wenigstens alles von dem Tier verwerten.”

Jedes Argument aus dieser Liste lässt sich ausnahmslos entkräften.

  1. Selbst wenn der Metzger um die Ecke ein Rind schlachtet, das sein kurzes Leben auf einer Weide verbracht hat, selbst dann wird ein Tier, das nicht sterben will, für uns getötet, obwohl wir es nicht müssen.
  2. Das Melken tut der Kuh i.d.R. nicht weh, das künstliche und oft gewaltvolle Besamen, das frühe Entreißen des Nachwuchses, der Weg zum und durch den Schlachthof aber schon. ​[1]​ Sowohl körperlich, als auch psychisch.
  3. Weiblichen Küken werden kurz nach dem Schlüpfen Schnabel und Krallen mit einer heißen Klinge oder mit einem infrarot Laser ohne Betäubung abgetrennt. Männliche Küken sind wertlos für die Industrie und werden deshalb nach dem Schlüpfen lebendig und ohne Betäubung geschreddert, vergast oder durch Strom auf einer elektrischen Platte getötet. ​[6], [7]​
  4. Die Grausamkeit, welche den Tieren bei der Produktion von Pelz widerfährt kann kaum in Worte gefasst werden. Es wird von Tötungsmethoden wie Vergasung mit Fahrzeugabgasen, Tötung durch anale und vaginale Stromschläge, Tötung durch Genickbruch, Vergiftung, Ausbluten durch Durchschneiden einer Arterie im Schenkel der Tiere während diese an ihren Pfoten aufgehängt sind, sowie Strangulierung mit Drahtschlingen berichtet. ​[8]​
  5. Das ursprüngliche Schaf musste nicht geschoren werden und konnte problemlos in der Natur überleben. Schafe, wie wir sie heute kennen, wurden speziell für ihre Wolle gezüchtet. ​[9]​ In Australien existiert die Praktik des sog. “Mulesing”. Hierbei wird den Schafen Fleisch im Bereich der Hinterläufe aus dem Körper geschnitten. Dies soll verhindern, dass Fliegen in den durch die Züchtung entstandenen Hautfalten der Tiere Eier ablegen, welche zu Larven schlüpfen und sich vom Fleisch des befallenen Schafes ernähren. Bei Nichtbehandlung ist der Fliegenbefall tödlich. ​[10]​
  6. Theoretisch können Daunen während der Mauser (in dieser Zeit werfen Gänse ihre Federn natürlicherweise ab) ohne Schmerzen gewonnen werden. In der Praxis kann aber nicht auf die Mauser gewartet werden, da es gilt so viele Daunen wie möglich von so vielen Gänsen wie möglich zu rupfen. Vom Rupfen sind sowohl Stopfleber-, als auch Fleischgänse betroffen. ​[11]​ Daunen haben aber neben des moralischen Aspekts auch noch andere Nachteile. Beispielsweise verringert sich beim Waschen häufig die Isolierfähigkeit, da sich Klumpen bilden und so Lücken entstehen, wodurch Wärme entweicht. ​[12]​ Zudem sind Daunen oftmals für Allergiker eher ungeeignet, Synthetik dagegen ist i.d.R. problemlos. ​[13]​
  7. In einer Antwort der deutschen Bundesregierung heißt es, dass allein in Deutschland 200.000 Bolzenschüsse pro Jahr nicht den Zweck der Betäubung der Rinder erfüllt und diese die Schlachtung bei Bewusstsein erleben. ​[14]​ Tierhaut zählt als eines der wertvollsten Produkte der Fleischindustrie. ​[15]​ Damit werden die Tiere auch hier unter schrecklichen Bedingungen mitunter zum Zwecke der Lederproduktion gehalten und ausgebeutet, bis sie schließlich geschlachtet und gehäutet werden – und das oft bei Bewusstsein. Aber nicht nur die Tiere leiden unter der Produktion von Leder, sondern auch die Menschen und Deutschland ist als einer der Hauptabnehmer der indischen Lederexporte nicht unwesentlich beteiligt. ​[16]​ Weltweit wird in ca. 85% der Fälle die sog. Chromgerbung als Gerbverfahren verwendet (Stand 2014). ​[17]​ Das verwendete Chrom-VI gilt als gesundheitsschädlich, extrem ressourcenintensiv und ist beispielsweise in Indien das häufigste Gerbverfahren. Die Gesundheit der Menschen wird durch fehlende Schutzmaßnahmen, fehlendes Grundwasser und den Einfluss des Gerberei-Abwassers auf Ackerländer stark gefährdet. ​[16]​

Worauf alles hinausläuft

Die grundlegende Frage ist, wieso machen wir das alles, wenn es der Umwelt, dem Klima, uns selbst und den Tieren schadet, obwohl wir es nicht müssen? Es besteht keine Notwendigkeit. Wir können ohne tierische Produkte leben und der menschliche Körper blüht bei rein pflanzlicher Ernährung regelrecht auf, denn das ist worauf er ausgelegt ist. Neben der Tatsache, dass man sich mit einer ausgewogenen pflanzlichen Ernährung alle notwendigen Nährstoffe zuführen kann, leben wir dadurch auch noch gesünder. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ 2 Diabetes, Übergewicht, sowie manche Arten von Krebs werden mit dem Verzehr von Fleisch in Verbindung gebracht. ​[18]​

“Es schmeckt einfach gut.” Das ist vermutlich der Satz, den man als Veganer am häufigsten hört. Es gibt aber nicht nur eine Mischkost, welche super schmeckt, und eine rein pflanzliche Ernährung, welche grauenhaft schmeckt. Wer anfängt sich vegan zu ernähren, lernt zahlreiche, toll schmeckende neue Gerichte und Zutaten kennen. Für mich und viele andere war der Umstieg zum Veganismus eine Erweiterung meines Speiseplans und damit ganz und gar keine Einschränkung oder ein Verzicht. Gerade für den Umstieg zur veganen Ernährung gibt es viele leichte Rezepte, welche hervorragend schmecken und noch dazu schnell zubereitet sind. Wenn du möchtest, dann kannst du mal bei unserer veganen Blog-Küche für schnelle Rezepte vorbeischauen. Vielleicht findest du dort etwas, das dir zusagt.

Was man sich fragen muss: Sind die 5min Geschmack einer Mahlzeit, die wir nahezu in der Sekunde wieder vergessen nachdem wir damit fertig sind, wirklich mehr wert als das Leben eines Tieres? Für 5min Geschmack geht ein Tier durch die Hölle und wird am Ende grauenvoll hingerichtet, nur damit wir es essen können und das obwohl wir es nicht müssen. Für uns sind es 5min, für das Tier das ganze Leben.

Literaturverzeichnis

  1. [1]
    Compassion in world farming (CIWF), “The life of: dairy cows,” Compassion in world farming (CIWF), Sep. 2012.
  2. [2]
    G. L. Hartman, E. D. West, and T. K. Herman, “Crops that feed the World 2. Soybean—worldwide production, use, and constraints caused by pathogens and pests,” Food Sec., pp. 5–17, Jan. 2011.
  3. [3]
    P. J. Gerber et al., “Tackling climate change through livestock – A global assessment of emissions and mitigation opportunities,” Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2013.
  4. [4]
    International Agency for Research on Cancer (IARC), “IARC Monographs evaluate consumption of red meat and processed meat,” International Agency for Research on Cancer (IARC), Oct. 2015.
  5. [5]
    C. Chemnitz et al., FLEISCHATLAS – Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel, vol. 5. Schumannstraße 8, 10117: Heinrich Böll Stiftung, 2018.
  6. [6]
    HUMAN SOCIETY INTERNATIONAL (HSI), “An HSI Report: The Welfare of Animals in the Egg Industry ,” HUMAN SOCIETY INTERNATIONAL (HSI), Mar. 2011.
  7. [7]
    Compassion in world farming (CIWF), “The Life of: Broiler chickens,” Farm Animal Welfare Compendium, May 2013.
  8. [8]
    L. A. Peterson, Michigan State University College of Law – Animal Legal & Historical Center, 2010.
  9. [9]
    International Wool Textile Organisation (IWTO), “History of Sheep,” International Wool Textile Organisation (IWTO). [Online]. Available: https://www.iwto.org/history-sheep. [Accessed: 01-Dec-2019].
  10. [10]
    Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals, “What is flystrike and what is the RSPCA’s view on mulesing and flystrike prevention in sheep?,” RSPCA Knowledgebase, 18-Oct-2019. [Online]. Available: https://kb.rspca.org.au/knowledge-base/what-is-flystrike-and-what-is-the-rspcas-view-on-mulesing-and-flystrike-prevention-in-sheep/. [Accessed: 02-Dec-2019].
  11. [11]
    L. Keeling et al., “Scientific Opinion on the practice of harvesting (collecting) feathers from live geese for down production,” EFSA Journal, Nov. 2010.
  12. [12]
    krkr, “Mit Daunen, Kunstfasern oder Baumwolle? Welche Bettdecke die richtige für Sie ist,” FOCUS ONLINE, p. 1, 30-Aug-2018.
  13. [13]
    krkr, “Mit Daunen, Kunstfasern oder Baumwolle? Welche Bettdecke die richtige für Sie ist,” FOCUS ONLINE, p. 1, 30-Aug-2018.
  14. [14]
    Deutscher Bundestag, “Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bärbel Höhn, Friedrich Ostendorff,  Undine Kurth (Quedlinburg), weiterer Abgeordneter und der Fraktion  BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/9824,” Deutscher Bundestag, Jun. 2012.
  15. [15]
    L. Deng-Cheng, “Better Utilization of by-Products from the Meat Industry,” Food and Fertilizer Technology Center (FFTC), Oct. 2002.
  16. [16]
    GLOBAL 2000, “Lederindustrie Indien: Ausbeutung für Europas Schuhe,” GLOBAL 2000, 12-Dec-2017. [Online]. Available: https://www.global2000.at/publikationen/lederindustrie-indien. [Accessed: 05-Dec-2019].
  17. [17]
    LEDER-INFO.DE – Leder verstehen, “Chromgerbung,” LEDER-INFO.DE – Leder verstehen. [Online]. Available: https://www.leder-info.de/index.php/Chromgerbung. [Accessed: 05-Dec-2019].
  18. [18]
    Academy of Nutrition and Dietetics, “Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets,” JOURNAL OF THE ACADEMY OF NUTRITION AND DIETETICS, vol. 115, p. 10, May 2015.
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