Argumente für Veganer: “Euer Soja zerstört den Regenwald.”

von Dominik Müller
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Hi! Wir alle kennen dieses Argument. Und falls du es noch nicht kennst, dann liegt das vermutlich daran, dass du erst vor kurzem vegan geworden bist. VeganerInnen essen so viel Soja und zerstören damit den Regenwald, denn bekanntlich werden große Flächen des Regenwaldes zu Kosten des Sojaanbaus gerodet. Sind daran wirklich die VeganerInnen schuld?

98% des weltweit angebauten Sojas geht an die Massentierhaltung. Lediglich 2% sind zum menschlichen Verzehr.

Wer sich also wirklich Sorgen um den Regenwald macht, lebt vegan. Man hört aber auch oft VeganerInnen seien für gentechnisch verändertes Soja, sowie für die Entstehung von Monokulturen zuständig. Gehen wir dem nun etwas genauer auf den Grund und schauen uns mal an, wie die weltweite Soja-Wirtschaft so funktioniert.

Gentechnik in Deutschland

Die Verwendung genetisch veränderter Inhaltsstoffe ist in Deutschland nicht verboten. Allerdings besteht nach EU-Recht eine Kennzeichnungspflicht für diejenigen Lebensmittel, bei denen genetisch modifizierte Inhaltsstoffe einen Anteil von über 0,9% ausmachen. In der Praxis sind aber so gut wie alle pflanzlichen Lebensmittel frei von Gentechnik. Das liegt daran, dass die Verwendung von Gentechnik in Deutschland einen sehr schlechten Ruf hat und VerbraucherInnen daher nur sehr wenige solcher Produkte kaufen würden.

Bei tierischen Produkten hingegen sieht die Lage anders aus. Hier dürfen Landwirtinnen und Landwirte nämlich sehr wohl gentechnisch verändertes Saatgut verwenden und müssen dies nicht kennzeichnen. Laut europäischem Gentechnik-Recht sind “Produkte” wie etwa Fleisch, Milch und Eier auch in Deutschland nicht kennzeichnungspflichtig. Wieso aber verwenden wir in Deutschland überhaupt genetisch verändertes Futter?

Um den immensen Futterbedarf der industriellen Masstierhaltung zu decken, reicht die eigene Futtermittel-Produktion nicht aus, weshalb Deutschland und die EU jährlich 35 Millionen Tonnen gentechnisch veränderte Sojabohnen verwenden, so ein Artikel zum Verbraucherschutz der deutschen Bundesregierung.

Soja und der Regenwald

98% des weltweit angebauten Sojas gehen in die Futtertröge der Tiere. Jedes Jahr schlachten wir weltweit über 70 Milliarden Landtiere (Meerestiere nicht mitgerechnet, diese werden in Tonnen gemessen). Entsprechend groß ist die benötigte Menge an Futter. Da es bei einer solchen Futtermenge nicht nur in Deutschland zu Engpässen kommt, wird von allen Fleischerzeuger-Ländern Soja importiert, und das vor allem aus Brasilien.

Mit einem Marktanteil von rund 56% am weltweiten Exportaufkommen von Soja belegt Brasilien mit weitem Abstand den ersten Platz. Um den weltweiten Bedarf an Soja für die Herstellung von Tierfutter zu decken, holzt Brasilien immer mehr und mehr Fläche des kostbaren Regenwaldes ab. Allein im Jahr 2018 verlor Brasiliens Regenwald eine Fläche von gut 1,3 Millionen Hektar. Der Verlust des Regenwaldes, nicht nur in Brasilien, sondern auch in der demokratischen Republik Kongo, sowie Indonesien, Kolumbien und Bolivien, hat dramatische Folgen für Mensch, Tier und Klima.

Auswirkungen des Regenwaldverlustes

Natürlich leiden, wie immer wenn es um die Gier des Menschen geht, allem voran die Tiere. Lebensräume und Familien werden zerstört, Tiere verbrennen bei lebendigem Leib und die Artenvielfalt wird in Rekordzeit dezimiert. Nicht “nur” für die Tiere, sondern auch für uns Menschen hat die Rodung des Regenwaldes katastrophale Auswirkungen. Stichwort “Klima”.

Der Regenwald ist einer der größten Kohlenstoffspeicher, den die Erde zu bieten hat. Mehr als 11 Milliarden Tonnen CO2 absorbieren die Regenwälder über den Zeitraum eines Jahres. Das sind rund 30% der weltweit vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen. Doch es kommt noch schlimmer.

Nicht nur, dass der Regenwald durch die Rodung immer weniger CO2 absorbieren kann, durch die Rodung selbst wird all dieses absorbierte CO2 zusätzlich freigesetzt. Ohne den Regenwald, haben wir ein immenses Problem. Wir haben übrigens ohnehin schon ein Problem. Aber ob der Klimawandel ohne Regenwald dann überhaupt noch kontrollierbar ist, das sei dahingestellt.

Soja und Monokulturen im Regenwald

Ganz besonders bei gentechnisch veränderten Pflanzenarten, wie sie z.B. beim Sojaanbau im Regenwald vorkommen, sind Monokulturen üblich. Monokulturen zeichnen sich dadurch aus, dass auf einem Feld über mehrere Jahre hinweg die ein und die selbe Pflanzenart angebaut wird. Durch gentechnische Veränderungen, sodass nur die angebaute Art gegen das verwendete Pestizid “immun” ist, sind Monokulturen möglich. Die fehlende Diversität schädigt den Boden, das Grundwasser und macht es Tieren sehr schwer ausreichend Nahrung zu finden.

Über viele Jahre hinweg entziehen Monokulturen die immer gleichen Nährstoffe aus dem Boden und geben die immer gleichen Nährstoffe wieder ab. Aus diesem Grund wird sehr viel Dünger benötigt, um die schiefe Nährstoffbilanz des Bodens wieder auszugleichen. Zudem werden bei Monokulturen übermäßig viele Pestizide verwendet, was das Leben für Insekten dort sehr schwer bis unmöglich macht. Die intensive Verwendung von Dünger und Pestiziden belastet zusätzlich das Grundwasser und führt damit zu weiteren Problemen. Dem Soja aus dem Regenwald ist also wirklich nichts Gutes abzugewinnen. Dem Soja, das für den direkten Verzehr verwendet wird, hingegen schon.

Warum tun wir das?

Wenn man sich vor Augen führt wie wichtig der Regenwald und dessen Erhaltung ist, ist die Frage “Warum machen wir das dann überhaupt?” unausweichlich. Und warum machen wir das? Weil es gut schmeckt?

Die gesamte Logik unseres Fleischkonsums und allgemein des Konsums tierischer Produkte ist absurd. Es gibt hier einfach keine Logik. Es gibt kaum ein ineffizienteres System, das mehr Schaden in sämtlichen Bereichen hinterlässt für weniger Nutzen, als die Massentierhaltung.

Die Klimakatastrophe scheint so fern, weil die drastischeren Auswirkungen erst in geraumer Zeit spürbar sein werden. Dennoch ist jetzt die Zeit zu handeln. In der heutigen Zeit ist der Konsum tierischer Produkte aus vielerlei Hinsicht nicht mehr vertretbar. Wir müssen weg von dem Denken, dass alles so weitergehen kann, wie bisher.

Über den Verlauf der Zeit haben wir durch die weltweite Massentierhaltung ein System entwickelt, das auf Dauer keinen Bestand haben kann. Ganz einfach aus dem Grund, weil es mit dafür verantwortlich sein könnte, dass Millionen von Menschen aufgrund der Folgen des Klimawandels sterben. Das ist vor allem deshalb unglaublich, weil die Gründe für dieses kranke System überwiegend Komfort und Geschmack und zudem seit Jahrzehnten bekannt sind. Wie können Komfort und Geschmack wichtiger sein, als die Zukunft von Millionen von Menschen und folgenden Generationen?

Was kann man dagegen tun?

Vegan leben. Vegan ist die einzige Möglichkeit all die oben aufgeführten Probleme zu verhindern. Vegetarisch reicht nicht aus, da auch z.B. Milchkühe mit dem Kraftfutter gefüttert werden, um die maximale Melkleistung zu erzielen. Nebenbei zeigt doch der Begriff “Melkleistung” allein bereits, dass Kühe in dieser Industrie nichts anderes als profitbringende Maschinen sind. Das nur nebenbei.

VeganerInnen sind außerdem nicht die einzigen Menschen die Soja in Form von beispielsweise Tofu oder Tempeh konsumieren. Zugegeben, sie machen das vermutlich häufiger als AllesesserInnen aber was spricht auch dagegen? Gar nichts. Das Soja für den direkten Verzehr macht lediglich 2% aus und stammt fast ausschließlich aus der EU, daher kann man diese Produkte bedenkenlos konsumieren.

Warum jeder vegan leben sollte und was es alles mitbringt, das haben wir übrigens in dem Beitrag “Warum vegan leben?” zusammengefasst. Wenn du möchtest, schau einfach mal vorbei!

Fazit

Soja wird nicht für VeganerInnen, sondern mit großem Vorsprung für AllesesserInnen angebaut und der Regenwald in Folge dessen abgeholzt. Da die industrielle Massentierhaltung einen so drastischen Effekt auf den Regenwald und damit auf das Klima im Allgemeinen hat, ist der Konsum tierischer Produkte spätestens ab heute nicht mehr vertretbar. Und dabei sind die ethischen Gründe der unnötigen Ausbeutung von Tieren noch nicht mit einbezogen.

Wenn sich dein Gegenüber also über VeganerInnen ärgert, weil diese heuchlerisch für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich sein sollen, dann kannst du dich auf diesen Beitrag berufen. Vegan ist im Zweifelsall immer der bessere Weg.

Beste Grüße!

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